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Ist eine Zahlungsausfallversicherung sinnvoll?

November 23, 2018 - Lesezeit: 4 Minuten

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Meine Zeit als "PC Doc"

Um die 2000er Wende herum war ich neben meinem Studium auch als "PC Doc" unterwegs. Betriebssysteme aufsetzen, Viren bekämpfen und Rechnereinweisungen waren mein täglich Brot. Ab und zu verkaufte ich aber auch Rechner. Diese waren indivduell auf die Kundenbedürfnisse angepasst und zusammengebaut. Ich machte das ungern, da so ein Rechner gerne zwischen 1000,- und 1500,- kostete und die Marge recht gering war. Aber um die Kundenbindung zu erhöhen und an den nachfolgenden Dienstleistungen zu verdienen, machte ich das ab und zu.

Ich hatte jedesmal ein wenig Bauchschmerzen, mit soviel Geld in Vorleistung zu gehen. Gerade als Student und den allgemein eher geringen Einnahmen war es ein Risiko, sollte der Kunde seine Rechnung nicht zügig begleichen.

Eines Tages passierte es tatsächlich. Ein Rechner für 1200,- hatte den Besitzer gewechselt. Das Geld bekam ich aber nicht, der Kunde hatte Privatinsolvenz angemeldet. Ich bekam erst Jahre später mein Geld und das auch nur zum Teil (waren so um die 400,-).

Die Folge nach dem Zahlungsausfall war, dass ich meine Ausgaben (auch die privaten) stark reduzieren musste und alle absolut nicht notwendigen Anschaffungen und Vergnügen (Kino, etc) ausfielen.

Was ich damals gebraucht hätte, wäre eine Zahlungsausfallversicherung gewesen.

Was sind die Gefahren offener Forderungen?

Jedesmal, wenn ein Unternehmer einem Abnehmer (egal ob jetzt privat oder selbst unternehmerisch tätig) eine Ware auf Rechnung liefert, ist diese Forderung faktisch ein Kredit.

Der Abnehmer kann bereits die Ware oder Dienstleistung nutzen, hat aber noch keine Gegenleistung erbracht. Bis wann diese Gegenleistung (also die Zahlung) erbracht werden muss regelt der Kaufvertrag oder die AGB. Oft wird von 14 Tagen oder 30 Tagen Zahlungsziel gebrauch gemacht. Als Anreiz einer schnelleren Zahlung werden oft Abzüge vom Kaufpreis in Aussicht gestellt. Zahlt der Abnehmer innerhalb einer festgelegten, meist kurzen Frist, dann bekommt er Skonto (oft 2%).

Mit jeder offenen Forderung des Unternehmers gegenüber dem Abnehmer sinkt die eigene Liquidität. Können nun ein oder mehrere Abnehmer ihre Forderungen nicht erfüllen, so kann sich eine Kettenreaktion in Gang setzen. Die eigene Liquidität sinkt unter das kritische Niveau und seinerseits können Forderungen gegenüber anderen Unternehmen nicht erfüllt werden.

Das Unternehmen muss dann in der Regel Konkurs anmelden.

In wirtschaftlich unsicheren Zeiten können solche Abhängigkeiten ganze Branchen ins Chaos stürzen.

Wie hilft die Zahlungsausfallversicherung?

Das Risiko des Ausfalls der Zahlungen eines Abnehmers können an den Markt als Versicherungsleistung abgegeben werden. Diese Versicherung nennt man Zahlungsausfallversicherung, Warenkreditversicherung oder auch Delkredere-Versicherung.

Dabei übernimmt das Versicherungsunternehmen das Risiko des Zahlungsausfalls eines Abnehmers, also der Schutz vor dem Forderungsausfall.

Leistungen einer Zahlungsausfallversicherung

Prüfung der Bonität des Abnehmers im Vorfeld

Eine Bonitätsprüfung des Abnehmers vor Lieferung der Ware oder Dienstleistung vermindert das Risiko erheblich. Eine Insolvenz kommt nicht über Nacht. Bereits einige Zeit davor gibt es Indikatoren, die auf Probleme eines Unternehmens hindeuten können.

Die Versicherung prüft die Bonität und informiert den Versicherungsnehmer vorab über deren Ergebnis. Fällt dieses negativ zuungunsten des Abnehmers aus, dann sollte der Unternehmer nur gegen Vorkasse liefern und somit das Forderungsausfallrisiko auf Null reduzieren.

Inkassoservice

Trotz positiven Bonitätsbescheids kann es zu einem Forderungsausfall kommen. Das Versicherungsunternehmen kümmert sich nun um das Inkasso. Auch die dadurch gewonenne Zeit, die der Unternehmer nicht mit dem Hinterherrennen nach seinem Geld verschwendet ist ein Gewinn.

Schadensersatz

Bleibt auch die Inkasso fruchtlos, dann ersetzt der Versicherer einen Teil des Schadens. Abzüglich einer Selbstbeteiligung seitens des Versicherungsnehmers von 20 bis 30% erhält er also bis zu 80% der ausgefallenen Forderung ersetzt.

Ein weiterer Vorteil ist die schnelle Zahlung, in der Regel 2 Monate nach Ablauf der Forderungs-Fälligkeit.

Für wen ist eine Zahlungsausfallversicherung sinnvoll?

Gerade kleine und mittelere Unternehmen sind von den fristgerechten Zahlungen der von ihnen erstellten Rechnungen abhängig. Wie in meinem Fall kann eine nicht bezahlte Rechnung ein kleines Unternehmen in arge Bedrängnis bringen, im schlimmsten Fall eine Insolvenz auslösen.

Als Versicherungsunternehmer sollte man darauf achten, dass die Versicherung weltweit gilt. Gerade innerhalb Europas sind die Geschäftsbeziehungen oft grenzüberschreitend, bereits bei kleinen Unternehmen.

Zusammenfassung

Wer unternehmerisch tätig ist, trägt immer ein Risiko. Dieses sollte man aber minimieren. Vor allem existentielle Risiken, müssen berücksichtigt werden.

Da es in der heutigen Zeit üblich geworden ist, Waren und Dienstleistungen gegen Rechnung anzubieten, verbleibt das Risiko des Zahlungsausfalls meist beim anbietenden Unternehmen.

Die beste Möglichkeit, dieses Risiko abzumildern ist es, eine Zahlungsausfallversicherung abzuschließen und somit das Risiko gegen die Zahlung einer Versicherungsprämie an den Markt auszulagern.